Im Frühjahr 2019 präsentierte Samsung sein erstes faltbares Smartphone, das Galaxy Fold, als Vorreiter einer neuen Gerätegeneration. Bereits bei den ersten Tests traten gravierende Konstruktionsprobleme auf, die den Launch verzögerten und die gesamte Foldable-Kategorie nachhaltig beeinflussten. Die nachfolgenden Verbesserungen zeigen, wie ein Hersteller aus frühen Fehlentscheidungen lernen kann, um langfristig eine dominante Marktposition zu sichern.
Das Debakel 2019 - Ursachen und erste Testerberichte
Der ursprünglich geplante Verkaufsstart des Galaxy Fold war der 26. April 2019 (USA) bzw. der 3. Mai 2019 (Europa). Aufgrund massiver Probleme wurde dieser Termin auf den 26. September 2019 verschoben. Das Gerät war mit einem Preis von rund 2.000 Euro positioniert, war jedoch deutlich dicker und empfindlicher als heutige Foldables.
Mehrere renommierte Tester berichteten von Fehlfunktionen des Displays. The Verge berichtete, dass bereits nach einem Tag ein Fremdkörper unter der Falz gegen das Display drückte, worauf das Panel komplett ausfiel. CNBC bestätigte ebenfalls einen ausgefallenen Bildschirm. Ein zentraler Auslöser war die lose Schutzfolie, die als Teil der Displaystruktur gedacht war. Youtuber Marques Brownlee und Mark Gurman entfernten die Folie, weil die Verpackung keinen Hinweis auf ihre Unabsetzbarkeit enthielt. Samsung erklärte später, dass diese Folie "Teil der Bildschirmstruktur" sei und nicht vom Nutzer entfernt werden dürfe.
Weitere Tester wie Joanna Stern vom Wall Street Journal begannen ebenfalls, die Folie abzuziehen, ließen das Gerät anschließend jedoch intakt. In allen Fällen tauschte Samsung das Gerät aus, konnte jedoch den ersten Imageschaden nicht mehr rückgängig machen.
Start verschoben, Smartphone verbessert
Aufgrund der ersten Fehlberichte erklärte Samsung, dass die Ursache nicht nur in der Schutzfolie, sondern auch im Scharnier liegen könne. Der Hersteller kündigte an, das Design zu überarbeiten, um das Eindringen von Fremdkörpern zu verhindern. Der neue Start im September 2019 erfolgte mit umfassenden Änderungen am Gerät.
Samsung setzte nach der Verzögerung im Jahr 2019 auf eine weitreichende Hardware-Neuentwicklung. Statt allein die Schutzfolie zu korrigieren, veränderte der Hersteller auch die Bauweise des Displays. Die ursprüngliche Polymerfolie wurde als lose Schicht über dem OLED angebracht, während der Relaunch die Schutzfolie als integrierte Schicht im Displayrahmen fixierte (Samsung Electronics, 2019). Darüber hinaus wurden sechs verschiedene Maßnahmen ergänzt, um den Scharnierabschnitt besser zu schützen, darunter T-förmige Abdeckkappen, um Partikel auszublenden. Zudem wurde ein zweites Metallblättchen eingefügt, um die Stabilität des flexiblen Materials zu gewährleisten.
Technische Weiterentwicklungen des Galaxy Fold Displays
Die überarbeitete Displayarchitektur kombiniert Flexibilität mit erhöhter Stabilität. Neben der fixierten Schutzfolie integrierte Samsung zusätzliche Schichten, die das Biegen erleichtern, ohne die Bildqualität zu beeinträchtigen. Im Scharnierbereich wurden sechs neue Mechanismen implementiert, um das Eindringen von Staub und Stoffen zu verhindern. Zu den wichtigsten Verbesserungen zählen:
- T-förmige Abdeckkappen, die den Eintrittswinkel für Partikel reduzieren.
- Ein zweites Metallblättchen zur Verstärkung des flexiblen OLED-Panels.
- Eine festgeklemmte Schutzfolie, die nun Teil des Gehäuses ist und nicht mehr entfernt werden kann.
Diese Änderungen bildeten die Basis für die Marktreife der Foldable-Technologie und ermöglichten, dass Display den Belastungen des Alltags standhält.
Marktposition von Samsung im Foldable-Segment
Nach dem Relaunch verkaufte Samsung im Jahr 2019 rund 1 Million Einheiten des Galaxy Fold. Bis 2025 erreichte das Unternehmen einen weltweiten Marktanteil von 40 % im Bereich faltbarer Smartphones (Counterpoint Research, 2025). Für 2026 prognostiziert Counterpoint einen leichten Rückgang auf 32 % Marktanteil, bei einem erwarteten Jahreswachstum der globalen Foldable-Auslieferungen von 21 %.
Die kumulierten weltweiten Auslieferungen von Foldables werden bis Ende 2026 die Schwelle von 100 Millionen Einheiten überschreiten. Trotz dieses Wachstums bleibt der Anteil von Foldables am gesamten Smartphone-Volumen auf etwa 1-2 % begrenzt, was vor allem auf die hohen Preise von über 1.000 Euro zurückzuführen ist.
Der Wettbewerb verstärkt sich zunehmend. Apple plant mit dem iPhone Duo, das am 23. Oktober 2026 in den Handel kommt, ein Marktanteil von 25 % im ersten Jahr zu erreichen. Weitere Herausforderer wie Huawei, TCL und andere Hersteller aus China und den USA entwickeln alternative Falt- und Roll-Designs, die Samsungs Vorsprung langfristig infrage stellen könnten.
Ausblick und strategische Bedeutung
Die anfänglichen Schwierigkeiten des Galaxy Fold zeigen, wie wichtig gründliche Prototyp-Verifizierung und klare Nutzerkommunikation sind. Die Verwechslung einer essenziellen Schutzfolie führte zu erheblichen Imageschäden, die Samsung jedoch durch technische Überarbeitungen und ein restrukturiertes Qualitätsmanagement ausgleichen konnte. Die Erfahrung dient als Lehrbeispiel für Unternehmen, die neue Technologiekategorien einführen.
Während Samsung bis 2026 voraussichtlich weiterhin Marktführer bleibt, könnte die zunehmende Konkurrenz aus Asien und Amerika die Dynamik des Segments verändern. Die geplante Marktreife von Foldables im Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt, an dem die Technologie von einer Nischenlösung zu einer etablierten, wenn auch exklusiven, Produktklasse übergeht.
Häufig gestellte Fragen
- Warum war das Galaxy Fold nicht als Prototyp verifiziert? Tests fanden nicht unter realen Nutzungsbedingungen statt, weshalb die Schutzfolie versehentlich entfernt wurde - ein Vorgang, der in der Fabrik ausgeschlossen wäre.
- Was war die Ursache für den ersten Displayausfall? Laut Samsung kam es durch Fremdkörper wie Stoffe im Displaybereich und durch veränderte Belastungen aufgrund der Konstruktionsschwächen zum Schaden.
- Wie hat Samsung das Fold-Display vor weiteren Schäden bewahrt? Samsung verbaute eine festgeklemmte Schutzfolie im Displayrahmen, optimierte den Scharnierbereich und reduzierte den Eintrittswinkel für Partikel durch geformte Kappen an den Scharnieren.
Fazit
Das Samsung Galaxy Fold hat mit seinem Fehlstart die Risiken neuer, komplexer Hardware deutlich gemacht. Durch die konsequente Überarbeitung von Schutzfolie, Scharnier und Displayarchitektur konnte Samsung jedoch nicht nur die bestehenden Probleme beheben, sondern auch das Fundament für das weitere Wachstum des Foldable-Marktes legen. Die aktuellen Marktanteile, die prognostizierten Wachstumsraten und die steigende Konkurrenz verdeutlichen, dass die frühen Lernschritte des Galaxy Fold entscheidend für Samsungs langfristige Führungsposition sind - auch wenn die Branche weiterhin von hohen Preisen und begrenzter Verbreitung geprägt bleibt.