Disney hat sich in den vergangenen Jahren stärker im Anime-Umfeld positioniert - unter anderem mit der Anthologieserie Star Wars: Visions. Nun soll das Engagement weiter wachsen: Berichten zufolge versicherte Disney dem japanischen Publikum, dass Anime ein klarer „Schwerpunktbereich“ für das Unternehmen sei. Dabei stellte Disney auch in Aussicht, Inhalte „so wie sie sind“ international zu veröffentlichen.

Seminar auf der AnimeJapan: Disney wirbt um die Branche

Laut einem Bericht von Anime News Network veranstaltete Disney auf der Consumer Expo AnimeJapan ein Seminar, um Branchenbesuchern die eigenen Geschäftspläne rund um Anime vorzustellen. Nach einem allgemeinen Überblick über Aktivitäten, Marktanteile und Zukunftspläne von Disney+ - präsentiert von Gaku Narita (Executive Director of Original Content) - ging Takuto Yawata (Head of Animation) auf die konkreten Vorhaben zur Erweiterung der Anime-Bibliothek ein.

„Wir respektieren japanische Schöpfer“: Aussage zur unveränderten Auslandsverwertung

Yawata bezeichnete Anime als „Schwerpunktbereich“ und betonte, Disney wolle zwar Inhalte diversifizieren, dies aber nicht zulasten der kreativen Vision der Urheber tun.

„Wir respektieren die Werke japanischer Schöpfer zutiefst und werden sie so, wie sie sind, nach Übersee übertragen.“

Genannte Titel und Beispiele für Disneys Anime-Ambitionen

Im Rahmen eines Ausblicks auf kommende Anime-Titel für die japanische Version des Streaming-Dienstes wurden unter anderem folgende Produktionen genannt:

  • Tatami Time Machine Blues
  • Black Rock Shooter: Dawn Fall
  • Summer Time Rendering
  • Dance Dance Danseur

Als Beispiele für die Möglichkeiten, die Disney im Anime-Segment sieht, verwies Yawata zudem auf Star Wars: Visions sowie auf Disney Twisted-Wonderland - ein Gacha-Mobile-Game mit Fokus auf Disney-Bösewichten, illustriert von Black Butler-Mangaka Yana Toboso.

Yawata sprach außerdem von hohen Erwartungen an lokale Produktionen und stellte „ganz neue Werke aus Japan“ in Aussicht. Er bezeichnete den sogenannten „Disney-Unterschied“ als Vorteil, den das Unternehmen in die Zusammenarbeit und Produktion einbringen könne.

Rückblick: Disney und Anime vor „Star Wars: Visions“

Disney hatte bereits vor Star Wars: Visions versucht, über Marvel-Produktionen im Anime-Markt Fuß zu fassen. Seit der Übernahme von Marvel im Jahr 2009 entstanden zwei gut aufgenommene Anime-Serien auf Basis der Heldenbibliothek des Verlags:

  • Marvel Disk Wars: The Avengers
  • Marvel Future Avengers

Einordnung

Die Aussagen aus dem Seminar deuten auf eine strategische Ausweitung des Anime-Angebots hin - kombiniert mit dem Versprechen, kreative Originalität bei der internationalen Veröffentlichung zu bewahren. Ob und wie sich diese Positionierung in konkrete Co-Produktionen, Lizenzierungen und neue Originale übersetzt, dürfte maßgeblich dafür sein, wie Disney im globalen Anime-Markt künftig wahrgenommen wird.