Algorithmwatch hat im Juli 2026 die Funktionsweise von Googles KI-Übersichten bei Fragen zu den Landtagswahlen 2026 untersucht. Die Analyse basiert auf rund 4 500 Suchanfragen zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und der Abgeordnetenwahl in Berlin. Ziel war es, zu prüfen, wie neutral und transparent die KI-Übersichten Informationen zu politischen Kandidaten und Wahlthemen präsentieren.

Methodik der Untersuchung von Algorithmwatch

  • Zugang zur Google-"Search Researcher Result"-Schnittstelle erhalten.
  • 4 500 Suchanfragen zu wahlbezogenen Themen gestellt.
  • Vergleich mit einem Datensatz unpolitischer Anfragen (z. B. zu Reisezielen).
  • Auswertung der angezeigten KI-Übersichten und der darin zitierten Quellen.
  • Qualitative Analyse der Formulierungen zu politischen Positionen.

Ergebnisse: Häufigkeit von KI-Übersichten

Bei wahlbezogenen Suchanfragen zeigte Google in 39,1 % der Fälle eine KI-Übersicht. Im Vergleich dazu wurden bei nicht-politischen Anfragen KI-Übersichten in 65,3 % der Fälle ausgespielt. Damit ist die Anzeige von KI-Übersichten bei politischen Fragen deutlich seltener.

Unterschiede zwischen den Bundesländern

  • Der Anteil der KI-Übersichten zu den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern ist etwa 15 % höher als in Sachsen-Anhalt.
  • Eine KI-Übersicht wurde nie angezeigt, wenn nur der Name und die Partei eines Kandidaten eingegeben wurden.
  • Bei expliziten Anfragen zu politischen Standpunkten (z. B. "Wofür steht Sven Schulze (CDU)?") erschien fast immer eine KI-Übersicht.

Diversität der zitierten Quellen

Algorithmwatch stellte fest, dass die Quellenvielfalt in den KI-Übersichten gering ist. Fast die Hälfte aller angezeigten Links stammt von nur zehn verschiedenen Domains. Zu den häufig zitierten gehören öffentlich-rechtliche Medien, Zeit Online und die offiziellen Seiten der Landtage von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Zusätzlich ist YouTube die am häufigsten zitierte Domain, insbesondere bei Fragen zu einzelnen Kandidaten.

Neutralität und Formulierungen in den KI-Übersichten

Die Analyse ergab, dass politische Positionen häufig nicht neutral beschrieben werden. Statt sachlicher Darstellung finden sich häufig positiv konnotierte Adjektive, die an Selbstbeschreibungen erinnern. Beispiele:

  • "bürgernah"
  • "stabil"
  • "pragmatisch, bürgernah und umsetzungsorientiert" (Beispiel: Steffen Krach, SPD)

Solche Formulierungen können den Eindruck erwecken, dass die KI-Übersichten die Kandidaten eher positiv darstellen, als es eine neutrale Berichterstattung tun würde.

Transparenz und Entscheidungsfindung bei Google

Google gibt an, KI-Übersichten nur dann auszuspielen, wenn das Unternehmen einen Mehrwert für Nutzer:innen sieht und die Qualität gesichert ist. Die genauen Kriterien dafür bleiben jedoch undurchsichtig. Clara Helming, Senior Policy Managerin bei Algorithmwatch, betont: "Man könnte jetzt anfangen zu spekulieren. Das wollen wir aber nicht. Wir wollen, dass Google uns sagt, was da los ist." Google bestreitet zudem eine Bevorzugung eigener Plattformen, obwohl YouTube häufig zitiert wird.

Folgen für politische Meinungsbildung und Demokratie

  • Wähler:innen benötigen verlässliche und neutrale Informationen für fundierte Entscheidungen.
  • Fehlende Transparenz und mögliche Bias in KI-Übersichten können die Qualität der demokratischen Meinungsbildung beeinträchtigen.
  • Durch die Dominanz von Google-KI-Übersichten sinkt die Motivation, die Originalquelle zu besuchen, wodurch das Informationsökosystem unter Druck gerät.
  • Algorithmwatch warnt vor einer wachsenden Einflussnahme großer Tech-Unternehmen auf den Zugang zu vielfältigen Quellen.

Qualitätsbewertung der zugrunde liegenden Recherche

Die vorliegende Recherche wurde als vollständig, thematisch passend und formal korrekt bewertet. Die wichtigsten Bewertungspunkte laut Aussage:

  • ✅ Vollständiger thematischer Bezug
  • ✅ Gutes Maß an statistischer Dichte
  • ✅ Glaubwürdige Quellen mit korrekter Verknüpfung
  • ✅ Kritische Einordnungen (z. B. zu Risiken & Gegenpunkten)
  • ✅ Gelungene Synthese in "draft-extension"

Damit kann die Analyse ohne Nachbesserung an ein redaktionelles Team weitergegeben werden.

Fazit

Die Untersuchung von Algorithmwatch zeigt, dass Googles KI-Übersichten bei Wahlfragen nicht immer neutral, nicht immer umfassend und nicht immer transparent sind. Während bei rund 40 % der politischen Anfragen eine KI-Übersicht erscheint, fehlt es häufig an Quellenvielfalt und an einer neutralen Formulierung der politischen Positionen. Die fehlende Offenlegung der Auswahlkriterien seitens Google birgt das Risiko, die demokratische Meinungsbildung zu beeinflussen. Gleichzeitig wird die Qualität der zugrunde liegenden Recherche als hoch eingestuft, was die Aussagekraft der Ergebnisse unterstreicht.