Die Europäische Union hat im Rahmen des Digital Markets Act (DMA) klare Vorgaben erlassen, die Google verpflichten, bis Juli 2027 KI-Assistants von Drittanbietern einen deutlich erweiterten Zugriff auf Android-Geräte zu gewähren. Ziel ist es, den Wettbewerb im KI-Markt zu stärken und Nutzer:innen mehr Auswahl bei KI- und Suchdiensten zu ermöglichen. Gleichzeitig werfen Google, Apple und Datenschützer Sicherheits- und Datenschutzrisiken auf, die im Folgenden detailliert beleuchtet werden.
Der Digital Markets Act als regulatorischer Rahmen
Der DMA, veröffentlicht von der EU-Kommission im Januar 2023, soll faire Wettbewerbsbedingungen im digitalen Sektor schaffen und verhindern, dass große Plattformen ihre Marktstellung missbrauchen. Er legt fest, wie Gatekeeper-Unternehmen wie Google und Apple ihre Dienste anbieten müssen. Der Gesetzestext verlangt, dass dominante Plattformen keine unlauteren Vorteile gegenüber Wettbewerbern ausspielen und klare Vorgaben für den Zugang zu Daten und Systemfunktionen definieren.
- Schaffung eines offenen Marktes für digitale Dienste
- Verhinderung von Marktmachtmissbrauch
- Festlegung von Transparenz- und Sicherheitsanforderungen
Durch den DMA soll nicht nur der Wettbewerb gefördert, sondern auch eine sicherere digitale Umgebung geschaffen werden, indem Unternehmen klare Vorgaben für den Datenzugriff erhalten (EU-Kommission, 2023).
EU-Vorgaben für Android: Was bedeutet das konkret?
Im Rahmen des DMA hat die Europäische Kommission Google verpflichtet, konkurrierenden KI-Assistants bis Juli 2027 mehr Zugriff auf Android-Funktionen zu gewähren. Konkret sollen Drittanbieter-KI-Dienste künftig die gleichen Systemberechtigungen erhalten können wie Googles eigener KI-Dienst Gemini. Zusätzlich muss Google ab Januar 2027 bestimmte Suchdaten mit konkurrierenden Suchmaschinen und KI-Anbietern teilen.
Der europäische Markt umfasst etwa 427 Millionen Android- und iOS-Geräte. Laut Omdia liegt der Marktanteil von Android-Geräten in der EU bei 70 % (Stand 2026). Diese Zahlen verdeutlichen, welchen Einfluss die Vorgaben auf die gesamte Smartphone-Landschaft haben können.
- Erweiterter Zugriff für KI-Drittanbieter bis Juli 2027
- Pflicht zur Weitergabe von Suchdaten ab Januar 2027
- Betroffener Markt: ca. 427 Millionen Geräte, 70 % Android-Marktanteil
Erweiterte Befugnisse und damit verbundene Risiken
Die Vergabe erweiterter Berechtigungen für KI-Dienste birgt erhebliche Sicherheitsrisiken, insbesondere im Hinblick auf den Zugriff auf persönliche Daten. Eine Studie von Veilant Security (2026) dokumentierte einen Anstieg von Sicherheitsvorfällen um 30 % im Jahr 2025 bei Apps, die erweiterte Systemberechtigungen erhalten haben.
Experten warnen, dass KI-Assistants, die Zugriff auf Nachrichten, Standortdaten, Mikrofon oder Bildschirm erhalten, potenziell missbraucht werden könnten. Michael Stokes, Senior Vice President bei Veilant, betont, dass solche Berechtigungen die von Nutzern erteilten Rechte ausnutzen könnten, um Aktionen auszuführen, die nicht beabsichtigt sind.
- 30 % Zunahme von Sicherheitsvorfällen bei Apps mit erweiterten Berechtigungen (2025)
- Risiko: Auslesen sensibler Informationen, ungewollte Aktionen
- Besorgnis von 30 % der Nutzer über Datengefährdung durch erweiterte Zugriffsrechte (Veilant-Report, 2025)
Reaktionen von Google, Apple und der Expertengemeinde
Google und Apple kritisieren die Vorgaben scharf. Kent Walker von Google bezeichnet die Entscheidung als Gefahr für die Gerätesicherheit und wirft der EU vor, Geschäftsgeheimnisse und nationale Sicherheit zu gefährden. Apple argumentiert, dass die EU-Vorgaben Apple zwingen würden, jedem virtuellen Assistant direkten Zugriff auf private Nutzerdaten zu gewähren.
Gleichzeitig stellen Expert:innen wie Calli Schroeder (EPIC) die Motive der Tech-Konglomerate infrage. Sie vermuten, dass die Unternehmen nicht ausschließlich den Datenschutz schützen wollen, sondern ihre eigenen Geschäftsmodelle verteidigen. Schroeder fordert mehr Transparenz über die tatsächlichen Risiken für Nutzer:innen.
- Google: Sicherheits- und Datenschutzrisiken, Gefahr für Geschäftsgeheimnisse
- Apple: Verpflichtung zum direkten Datenzugriff für alle KI-Assistants
- Expert:innen: Zweifel an den wahren Motiven, Forderung nach mehr Transparenz
Statistische Übersicht: Nutzung von KI-Diensten auf Smartphones
Laut einer Studie ist ChatGPT bereits auf etwa 30 % der Smartphones in der EU installiert (2026). Diese Verbreitung könnte durch die neuen DMA-Vorgaben weiter steigen, wenn alternative KI-Assistants denselben Zugriff erhalten wie Googles Gemini.
| Metric | Wert | Jahr | Quelle |
|---|---|---|---|
| Programmnutzung von ChatGPT auf Smartphones | 30 % | 2026 | S1 |
| Zunahme der Sicherheitsvorfälle bei Apps mit erweiterten Berechtigungen | 30 % | 2025 | S2 |
| Marktanteil Android-Geräte in der EU | 70 % | 2026 | Omdia |
FAQ - Häufig gestellte Fragen
Wie wird der Datenschutz durch die EU-Vorgaben beeinflusst?Die EU versucht, durch den DMA den Zugang zu Nutzerdaten zu regulieren. Dies führt zu Konflikten mit großen Tech-Firmen, die befürchten, dass ihre Daten und Geschäftsgeheimnisse gefährdet werden.Welche Fristen gelten für Google?Google muss bis Juli 2027 KI-Assistants von Drittanbietern erweiterten Zugriff auf Android gewähren und ab Januar 2027 bestimmte Suchdaten teilen.Wie stärkt der DMA die Argumentation für mehr Wettbewerb?
Der DMA liefert den rechtlichen Rahmen, der die EU-Vorgaben untermauert. Durch klare Vorgaben für den Daten- und Funktionszugang wird sichergestellt, dass Gatekeeper-Unternehmen nicht länger ihre dominante Marktposition ausnutzen können. Gleichzeitig wird die Notwendigkeit betont, angemessene Datenschutz-, Sicherheits- und Integritätsvorkehrungen zu treffen.
Fazit
Die EU-Vorgaben zur Öffnung von Android für konkurrierende KI-Dienste markieren einen bedeutenden Schritt zur Förderung von Wettbewerb im KI-Markt. Der Digital Markets Act liefert dabei den regulatorischen Unterbau, der sicherstellen soll, dass große Plattformen ihre Marktmacht nicht missbrauchen. Gleichzeitig zeigen die vorliegenden Daten - ein hoher Android-Marktanteil von 70 % in der EU, eine bereits verbreitete Nutzung von ChatGPT auf 30 % der Geräte und ein dokumentierter Anstieg von Sicherheitsvorfällen um 30 % - dass die Risiken für Datenschutz und Sicherheit nicht zu unterschätzen sind. Google und Apple betonen diese Risiken, während Expert:innen die Motive der Unternehmen kritisch hinterfragen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob die Balance zwischen Innovation, Wettbewerb und Schutz der Nutzer:innen erfolgreich gefunden werden kann.