Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Nevada hat den Unternehmer Brent Kovar wegen eines ausgeklügelten Schneeballsystems verurteilt, das unter dem Deckmantel von Künstlicher Intelligenz (KI) und Krypto-Mining betrieben wurde. Der Fall verdeutlicht, wie Kriminelle aktuelle Technologietrends missbrauchen, um Kleinanleger mit scheinbar sicheren Hochrenditen zu ködern, und wie US-Behörden konsequent gegen betrügerische Technologieversprechen vorgehen.

Vorgeschichte und zivilrechtliche Intervention der Börsenaufsicht SEC

Die strafrechtliche Verurteilung baut auf jahrelangen Ermittlungen auf, die bereits 2021 mit einer Notfallklage der US-Börsenaufsicht SEC begannen. Die SEC erließ eine Notfallverfügung, die die Vermögenswerte von Profit Connect Wealth Services sowie die von Brent Kovar und seiner Mutter Joy Kovar einfrierte. Im Rahmen dieser Maßnahme wurden im Juli 2021 vorläufig 12 Millionen US-Dollar an Anlegergeldern eingefroren, bevor der volle Schaden von 24 Millionen US-Dollar ermittelt wurde.

Gezielte Zielgruppenansprache und Vertriebsmasche

Profit Connect bewarb sogenannte "Wealth Builder"-Konten und verkaufte angebliche Rechenzeit-Anteile ("Seats") am KI-Supercomputer. Die Betreiber drängten Interessierte gezielt dazu, Altersvorsorgeguthaben, Ausbildungsfonds für Kinder oder Kredite auf Eigenheime zu investieren. Laut SEC-Klage stammten über 90 % der Einnahmen aus frischem Anlegerkapital, das direkt von Neukunden kam, anstatt aus echtem Trading.

Profit Connect nutzte Künstliche Intelligenz als Vorwand

Von Ende 2017 bis Mitte 2021 leitete Brent Kovar das Unternehmen Profit Connect mit Sitz in Las Vegas, Nevada. Die Firma warb offensiv mit der Behauptung, eine spezialisierte Software für Künstliche Intelligenz auf einem Supercomputer zu betreiben. Angeblich sollte dieses komplexe System selbstständig Kryptowährungen schürfen sowie digitale Transaktionen verifizieren und dadurch kontinuierlich hohe Gewinne erwirtschaften. Den Geldgeber:innen wurden feste jährliche Renditen zwischen 15 % und 30 % sowie eine vollständige Rückzahlungsgarantie des investierten Kapitals versprochen. Um die angebliche Rechenleistung zu rechtfertigen, präsentierte das Unternehmen Dokumente, die hohe Einlagen in Form von Kryptowährungen im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar suggerierten - diese Dokumente stellten sich später als Fälschungen heraus. Zusätzlich behauptete die Geschäftsführung fälschlicherweise, die Investitionen seien durch die US-Einlagensicherung FDIC staatlich abgesichert, obwohl solche Garantien für derartige Anlageformen in der Realität nicht existieren.

Die Masche hinter Profit Connect zielte gezielt auf existenzielle Ersparnisse von Privatanlegern ab. Ermittlungsakten der US-Börsenaufsicht SEC (2021) belegen, dass die Betreiber Kunden dazu ermutigten, Betriebsrenten, Ausbildungsfonds für ihre Kinder oder Hypotheken auf das Eigenheim einzusetzen. Über sogenannte 'Wealth Builder'-Konten erwarben Anleger vermeintliche Rechenkapazitäten am KI-Supercomputer, der angeblich Marktschwankungen vollständig neutralisieren sollte. In der Realität erwirtschaftete das System jedoch keinerlei operative Handelsgewinne: Über 90 % der Unternehmensgelder stammten ausschließlich aus Einzahlungen neuer Kundinnen und Kunden.

Ermittlungen und strafrechtliche Verurteilung

Die Strafverfolgung umfasste mehrere Bundesbehörden: Das FBI, die Steuerbehörde IRS und die Aufsichtsbehörde der Einlagensicherung FDIC arbeiteten gemeinsam, um die Zahlungsströme zu rekonstruieren. Die Finanzfahnder konnten nachweisen, dass die erbeuteten 24 Millionen US-Dollar nicht in Technologieinvestitionen, sondern in den privaten Hauskauf des Gründers, Betriebsaufwand und Geschenke für Angestellte geflossen waren. Im August 2026 wurde Brent Kovar in 15 Anklagepunkten für schuldig befunden, darunter 11 Fälle von Überweisungsbetrug, 2 Fälle von Postbetrug und 2 Fälle von Geldwäsche. Das theoretische Höchststrafmaß beträgt 280 Jahre Haft; die Verkündung des konkreten Strafmaßes ist für den 30. November 2026 angesetzt. In der US-Rechtspraxis werden die Strafen für einzelne Anklagepunkte selten vollständig kumulativ verhängt, sodass die tatsächliche Haftdauer nach den Federal Sentencing Guidelines wahrscheinlich kürzer ausfallen wird.

Statistiken und Schadensausmaß

  • Gesamtschadenssumme: 24 Millionen US-Dollar (2026)
  • Anzahl geschädigter Personen: mindestens 400 (2026)
  • Versprochene Jahresrendite: 15 %-30 % (2021)
  • Über 90 % der Einnahmen stammten aus frischem Anlegerkapital (2021)
  • Schuldig gesprochene Anklagepunkte: 15 (11 × Überweisungsbetrug, 2 × Postbetrug, 2 × Geldwäsche) (2026)
  • Theoretisches Höchststrafmaß: 280 Jahre Haft (2026)

FAQ - häufige Fragen zum Fall

Warum wurde die Geldanlage von Anlegern besonders attraktiv gemacht?Profit Connect verwendete Begriffe wie Künstliche Intelligenz, Supercomputer und Krypto-Mining, um eine technologisch fortschrittliche und sichere Anlage zu suggerieren. Zudem wurden hohe fixe Renditen (15 %-30 % p. a.) garantiert, was Misstrauen reduzierte.Wie genau wurde der Betrug aufgedeckt?Die US-Börsenaufsicht SEC setzte 2021 eine Notfallverfügung ein und froste die Konten. Ermittler der Steuerbehörde IRS rekonstruierten daraufhin Zahlungströme, die belegten, dass die Gelder nicht in Technologien investiert, sondern privat aus Einlagen neuer Opfer finanziert wurden.Wer war neben Brent Kovar an der Unternehmensführung beteiligt?In den zivilrechtlichen Verfahren der Börsenaufsicht SEC wurde auch seine Mutter Joy Kovar als Mitbetreiberin geführt, auf deren Konten Millionensummen transferiert wurden.

Fazit

Der Fall Brent Kovar zeigt, dass der aktuelle Hype um KI und Kryptowährungen von Kriminellen gezielt ausgenutzt wird, um Kleinanleger mit unrealistischen Versprechen zu locken. Die koordinierten Maßnahmen von SEC, FBI, IRS und FDIC demonstrieren, dass US-Behörden zunehmend entschlossen sind, betrügerische Technologie-Anlageprodukte zu bekämpfen. Anleger sollten bei Versprechen hoher Renditen, insbesondere wenn diese mit komplexen Fachbegriffen wie "Supercomputer" oder "KI-Mining" verknüpft werden, kritisch prüfen und unabhängige Quellen konsultieren, um sich vor ähnlichen Betrugsmaschen zu schützen.