Die Deutsche Telekom stellt rund 1,3 Millionen reine Telefonanschlüsse ohne Internetzugang schrittweise um. Statt der traditionellen Kupfer-POTS-Leitung wird künftig die LTE-basierte Box "Call Connect via Funk" eingesetzt. Für Verbraucherinnen und Verbraucher - besonders Seniorinnen und Senioren sowie Betreiber von Hausnotrufsystemen - sind technische Einschränkungen, Sonderdienste und erhebliche Preisunterschiede zu freien Mobilfunk-Alternativen von zentraler Bedeutung.

Technischer Hintergrund - Ausmusterung der veralteten MSAN-POTS-Infrastruktur

Die Telekom schaltet die sogenannte MSAN-POTS-Technik (Multi-Service Access Node - Plain Old Telephone Service) ab. Diese Spezialtechnik emulierte in den Vermittlungsstellen das klassische analoge Festnetz für reine Telefonanschlüsse, ist jedoch wartungsintensiv und leidet unter Ersatzteilmangel. Laut offizieller Telekom-Mitteilung (2026) wird die Infrastruktur schrittweise stillgelegt, weil sie nicht mehr zukunftsfähig ist.

Wie die LTE-Box funktioniert

Die neue Box verbindet das gewohnte TAE-Telefon über das Mobilfunk-LTE-Netz. Sie enthält eine SIM-Karte und muss über eine aktive 230 V-Steckdose betrieben werden. Analoge Telefone können weiterhin über die mittlere F-Buchse angeschlossen werden.

Kostenvergleich - Tarife "Call Basic via Funk" und "Call Comfort via Funk" im Detail

Die Telekom bietet für die Umstellung zwei Haupttarife an:

  • Call Basic via Funk: 22,95 € / Monat inkl. 120 Freiminuten.
  • Call Comfort via Funk: 32,45 € / Monat mit Festnetz-Flat.

Zusätzlich fällt die Hardwaregebühr für die Telefon-Box an:

  • Monatliche Miete: 3,95 € / Monat.
  • Einmalkauf: 99,99 € einmalig.

Rechnet man die Kosten für das erste Jahr zusammen, ergeben sich:

  • "Call Comfort via Funk" + Gerätemiete: ca. 437 €.
  • "Call Comfort via Funk" + Einmalkauf: ca. 490 €.

Ein Wechsel zu einem regulären SIM-Only-Mobilfunktarif (ca. 5 € / Monat) mit einem seniorenfreundlichen Tischtelefon spart im ersten Jahr über 200 € bis fast 263 € - laut Verivox-Vergleich (2026) inklusive vermiedener Hardwarekosten.

Einschränkungen bei Notstrom und Sonderdiensten

Im Gegensatz zum klassischen Kupfer-Festnetz, das teilweise über die Telefonleitung ferngespeist wurde, benötigt die LTE-Box zwingend Strom aus der Steckdose. Bei einem Stromausfall ist kein Notruf (110 / 112) mehr möglich, weil die Box keinen Puffer-Akku hat (Leistungsaufnahme < 2,2 W). Außerdem müssen analoge Sonderdienste wie Hausnotruf, Aufzugnotruf oder Alarmanlagen vorab mit dem jeweiligen Anbieter geprüft werden, da sie häufig spezielle analoge Übertragungsprotokolle nutzen.

  • Keine Ausfallsicherheit bei Stromunterbrechung - Notrufe fallen aus.
  • Inkompatibilität mit bestehenden Hausnotruf- und Meldesystemen - Funktionsprüfung erforderlich.
  • Erforderliche Mobilfunkabdeckung am Steckdosenstandort - Keller oder funkabgeschirmte Räume können die Sprachqualität beeinträchtigen.

Risikofaktoren und mögliche Gegenmaßnahmen

Betroffene Kund:innen sollten folgende Punkte beachten, um negative Folgen zu vermeiden:

  • Stellen Sie sicher, dass die Steckdose, an der die Box angeschlossen wird, auch bei Stromausfall über eine Notstromversorgung (z. B. USV) versorgt wird.
  • Kontaktieren Sie Ihren Hausnotruf- oder Alarmanlagen-Anbieter rechtzeitig, um die Kompatibilität zu prüfen oder gegebenenfalls auf ein eigenständiges Mobilfunk-Modem umzurüsten.
  • Prüfen Sie die Mobilfunkabdeckung am jeweiligen Standort; bei schlechter Signalstärke kann ein externer LTE-Repeater nötig sein.

FAQ - häufig gestellte Fragen

  • Müssen betroffene Kund:innen jetzt sofort selbst aktiv werden?
    Nein, die Telekom kontaktiert die Betroffenen schrittweise vor der Umstellung und prüft die technische Verfügbarkeit am jeweiligen Standort.
  • Funktioniert mein altes analoges Telefon an der neuen Funk-Box weiter?
    Ja, herkömmliche Telefone mit TAE-Stecker und Tonwahlverfahren können direkt in die mittlere F-Buchse der Box eingesteckt und weiterverwendet werden.
  • Funktioniert mein Hausnotruf automatisch mit der neuen Funk-Box?
    Nicht zwingend. Da Sonderdienste teils spezielle analoge Protokolle nutzen, muss die Kompatibilität vorab mit dem Notruf-Anbieter abgestimmt werden.

Fazit

Die schrittweise Abschaltung der MSAN-POTS-Infrastruktur zwingt rund 1,3 Millionen Telekom-Kund:innen zu einer Migration auf die LTE-Box "Call Connect via Funk". Die neuen Tarife sind deutlich teurer als marktübliche Mobilfunk-Alternativen - im ersten Jahr entstehen Kosten von bis zu 490 €, während ein vergleichbarer SIM-Only-Tarif unter 100 € liegen kann. Gleichzeitig entstehen sicherheitsrelevante Risiken: Ohne Strom funktioniert die Telefon-Box nicht, und analoge Sonderdienste müssen vorab geprüft werden. Verbraucherinnen und Verbraucher, insbesondere Seniorinnen und Senioren, sollten die Kosten- und Risiko-Analyse nutzen, um rechtzeitig Alternativen zu prüfen oder geeignete Notstrom- und Kompatibilitätslösungen zu implementieren.